Die Bedeutung einer soliden Ordinationsfinanzierung für Ärzte in Österreich
Aktualisiert: vor 5 Tagen
Der Schritt in die eigene Ordination ist für viele Ärztinnen und Ärzte in Österreich eine der wichtigsten beruflichen Entscheidungen. Ob Neugründung oder Ordinationsübernahme: Eine solide Ordinationsfinanzierung entscheidet darüber, ob der Start gelingt und die Ordination in den ersten Jahren finanziell stabil bleibt. In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, wie Sie Ihre Finanzierung strukturiert planen, welche Unterlagen die Bank erwartet und welche typischen Fehler Sie vermeiden sollten.
Warum eine gute Planung der Ordinationsfinanzierung so wichtig ist
Eine Ordination ist ein Unternehmen. Banken betrachten Ihr Vorhaben daher nicht nur aus Sicht Ihrer fachlichen Qualifikation, sondern auch wirtschaftlich. Wie hoch ist der Investitionsbedarf? Wie entwickeln sich Einnahmen und Kosten? Wie lange dauert es, bis sich die Ordination selbst trägt? Je klarer Sie diese Fragen beantworten können, desto besser ist Ihre Ausgangsposition im Bankgespräch.
Mein Rat aus der Beratungserfahrung: Beginnen Sie mit der Finanzierungsplanung früh, idealerweise bevor Sie Mietverträge unterschreiben oder Geräte bestellen. So behalten Sie den Überblick und vermeiden Zeitdruck.
Investitionsbedarf ermitteln: Umbau, Geräte und Betriebsmittel
Grundlage jeder Ordinationsfinanzierung ist eine realistische Aufstellung aller Kosten. Typischerweise gliedert sich der Investitionsbedarf in folgende Bereiche:
Umbau und Ausstattung: Adaptierung der Räumlichkeiten, Barrierefreiheit, Elektro- und Sanitärinstallationen, Möblierung, Empfangsbereich und Wartezimmer.
Medizinische Geräte und IT: Diagnostik- und Behandlungsgeräte je nach Fachrichtung, Ordinationssoftware mit e-card-Anbindung und ELGA, Hardware, Telefonanlage und Datenschutzlösungen.
Betriebsmittel: Liquidität für die Anlaufphase, etwa für Miete, Personal, Versicherungen, Verbrauchsmaterial und laufende Kosten, bis die Einnahmen regelmäßig fließen.
Bei einer Ordinationsübernahme: die Ablöse für Inventar, Geräte und den bestehenden Patientenstock.
Gerade die Betriebsmittel werden häufig unterschätzt. Planen Sie bewusst einen Liquiditätspuffer für die ersten Monate ein. Kassenhonorare kommen über Akontozahlungen und die Quartalsabrechnung zeitversetzt herein. Für den laufenden Bedarf bietet sich ein Betriebsmittelkredit oder ein Kontokorrentrahmen an. Holen Sie für Umbau und Geräte nach Möglichkeit konkrete Angebote ein, damit Ihre Zahlen belastbar sind. Für medizinische Geräte kann auch Leasing eine Alternative zum Kredit sein – vergleichen Sie beide Varianten in der Gesamtrechnung.
Kassenvertrag oder Wahlarzt: Was bedeutet das für die Finanzierung?
Ob Sie mit Kassenvertrag oder als Wahlärztin bzw. Wahlarzt starten, wirkt sich direkt auf Ihre Einnahmenplanung aus. Kassenplanstellen werden ausgeschrieben und in einem Reihungsverfahren unter Einbindung von Ärztekammer und Österreichischer Gesundheitskasse (ÖGK) vergeben. Der Zeitpunkt der Zusage beeinflusst daher auch den Zeitplan Ihrer Finanzierung.
Mit einem Kassenvertrag ist die Patientenfrequenz oft besser planbar. Die Honorare sind jedoch durch die Honorarordnung des Gesamtvertrags vorgegeben und werden zeitversetzt abgerechnet. Als Wahlärztin bzw. Wahlarzt gestalten Sie Ihre Honorare selbst und erhalten das Geld in der Regel direkt von Ihren Patientinnen und Patienten. Sie müssen sich den Patientenstamm jedoch in vielen Fällen erst aufbauen.
Für die Bank ist entscheidend, dass Ihre Annahmen nachvollziehbar sind. Begründen Sie diese daher möglichst konkret, zum Beispiel mit dem Standort, Ihrer Fachrichtung, der regionalen Versorgungssituation oder einem bestehenden Patientenstamm. Auch Mischmodelle, Gruppenpraxen, Primärversorgungseinheiten (PVE) oder ein schrittweiser Aufbau sollten sich in der Planung widerspiegeln.
Eigenmittel: Wie viel sollten Sie einbringen?
Eigenmittel stärken Ihre Verhandlungsposition und zeigen der Bank, dass Sie selbst in Ihr Vorhaben investieren. Wie hoch der Anteil sein sollte, hängt vom Gesamtprojekt, von Ihrer persönlichen Situation und von der jeweiligen Bank ab. Eine pauschale Vorgabe gibt es nicht.
Wichtig ist, dass Sie Ihre Eigenmittel nicht vollständig in die Investition stecken. Behalten Sie eine private Reserve, damit Sie in der Anlaufphase nicht unter finanziellen Druck geraten. Prüfen Sie außerdem, welche Vermögenswerte, etwa Ersparnisse oder bestehende Immobilien, sinnvoll in die Finanzierung eingebunden werden können.
Sicherheiten: Was die Bank erwartet
Neben Ihrer Planung bewertet die Bank die Sicherheiten. Üblich sind bei Ordinationsfinanzierungen etwa eine Risiko-Ablebensversicherung, ein Pfandrecht auf eine bestehende Immobilie oder eine Bürgschaft. Klären Sie früh, welche Sicherheiten Sie anbieten können. Denken Sie auch an die Absicherung Ihrer Arbeitskraft – denn Ihre Ordination hängt in erster Linie von Ihnen ab.
Unterlagen und Businessplan: Das erwartet die Bank
Ein strukturierter Businessplan ist das Herzstück Ihrer Finanzierungsanfrage. Er sollte unter anderem folgende Punkte enthalten:
Kurzbeschreibung des Vorhabens: Fachrichtung, Standort, Leistungsangebot und Zeitplan.
Ihr beruflicher Werdegang und Ihre Qualifikationen.
Investitions- und Finanzierungsplan mit Angeboten für Umbau und Geräte.
Einnahmen- und Kostenplanung für die ersten Jahre sowie eine Liquiditätsplanung.
Persönliche Unterlagen wie Gehaltszettel bzw. Einkommensteuerbescheide, eine Vermögensaufstellung und eine Übersicht über bestehende Kredite.
Bei einer Ordinationsübernahme kommen Unterlagen zur bestehenden Ordination hinzu, etwa die bisherigen Einnahmen, eine Inventarliste und der Übernahmevertrag samt Ablöse. Je vollständiger Ihre Unterlagen sind, desto schneller und reibungsloser verläuft die Prüfung.
Das Bankgespräch: gut vorbereitet überzeugen
Im Bankgespräch geht es nicht nur um Zahlen, sondern auch um Ihre Person. Treten Sie gut vorbereitet auf, kennen Sie Ihre Planung im Detail und begründen Sie Ihre Annahmen. Vergleichen Sie nicht nur den Zinssatz, sondern das gesamte Paket: Laufzeit, tilgungsfreie Anlaufzeit, Fixzins oder variable Verzinsung, Sicherheiten, Möglichkeiten zur vorzeitigen (Teil-)Rückzahlung sowie Nebenkosten wie Bearbeitungsgebühr, Schätzkosten und – bei hypothekarischer Besicherung – die Grundbuchseintragungsgebühr.
Es lohnt sich, Angebote mehrerer Banken einzuholen. Unterschiedliche Institute bewerten Ordinationsfinanzierungen durchaus verschieden. Eine bankenübergreifende Begleitung kann helfen, die Angebote vergleichbar zu machen und die passende Struktur für Ihre Situation zu finden. Ich habe Zugang zu rund 120 Banken und kann Ihre Angebote deshalb breit vergleichen.
Förderungen: Möglichkeiten prüfen
Für Gründungen und Investitionen gibt es in Österreich verschiedene Förderprogramme. Diese werden etwa über die Austria Wirtschaftsservice (aws) in Form von Garantien oder geförderten Krediten angeboten. Auch die Förderstellen der Bundesländer, wie in der Steiermark die SFG, bieten Unterstützung. Für Gruppenpraxen, Primärversorgungseinheiten und Kassenstellen in ländlichen Regionen gibt es teilweise eigene Unterstützungen.
Ob und in welcher Form eine Förderung für Ihre Ordination in Frage kommt, hängt von den jeweils aktuellen Richtlinien und Ihrem konkreten Vorhaben ab. Mein Tipp: Klären Sie mögliche Förderungen frühzeitig. Viele Programme setzen voraus, dass der Antrag vor Beginn der Investition gestellt wird. Informieren Sie sich direkt bei den Förderstellen und bei der Ärztekammer Ihres Bundeslandes über die aktuellen Bedingungen und beziehen Sie Förderungen in Ihre Gesamtplanung ein.
Typische Fehler bei der Ordinationsfinanzierung vermeiden
Hier sind einige häufige Fehler, die Sie vermeiden sollten:
Zu knappe Kalkulation: Fehlende Puffer für Umbau-Mehrkosten oder eine längere Anlaufphase führen schnell zu Engpässen.
Betriebsmittel vergessen: Wer nur die Investitionen finanziert, gerät in den ersten Monaten leicht in Liquiditätsprobleme.
Steuer- und Beitragsnachzahlungen übersehen: Einkommensteuer, Sozialversicherung und Wohlfahrtsfonds der Ärztekammer richten sich nach dem tatsächlichen Einkommen und werden häufig erst zeitverzögert in voller Höhe fällig – teilweise samt Nachzahlung. Planen Sie diese Beträge gemeinsam mit Ihrer Steuerberatung von Anfang an ein.
Verträge vor der Finanzierungszusage: Unterschreiben Sie Miet- oder Kaufverträge möglichst erst, wenn die Finanzierung geklärt ist.
Nur auf den Zinssatz achten: Flexibilität, Laufzeit und Sicherheiten sind oft ebenso wichtig.
Ordination und Privates isoliert planen: Betrachten Sie Ordinationsfinanzierung und private Vorhaben, etwa einen Wohnbaukredit für das Eigenheim, im Zusammenhang. Beide beeinflussen Ihre Bonität und Ihre Haushaltsrechnung.
Häufige Fragen zur Ordinationsfinanzierung
Wie viel Eigenmittel brauche ich für meine Ordination?
Eine fixe Quote gibt es nicht. Entscheidend sind Gesamtprojekt, Sicherheiten und Ihre persönliche Situation. Wichtig ist, dass nach der Investition noch eine private Reserve bleibt.
Finanziert die Bank bei einer Übernahme auch die Ablöse?
Häufig ja – vorausgesetzt, die Ablöse ist durch nachvollziehbare Zahlen der bestehenden Ordination gestützt.
Wann sollte ich mit der Finanzierungsplanung beginnen?
So früh wie möglich – idealerweise vor der Unterschrift unter Miet- oder Übernahmeverträge und vor Beginn der Investition, damit auch Förderungen noch möglich sind.
Fazit: Mit Struktur in die eigene Ordination
Eine erfolgreiche Ordinationsfinanzierung beruht auf einer realistischen Investitionsplanung, einer nachvollziehbaren Einnahmenprognose, ausreichender Liquidität und vollständigen Unterlagen. Wenn Sie diese Punkte frühzeitig angehen, gehen Sie mit Sicherheit und Klarheit in das Bankgespräch.
Sie planen die Gründung oder Übernahme einer Ordination? Starten Sie mit dem Finanzierungscheck auf finanzierungs-profi.at oder vereinbaren Sie ein unverbindliches Erstgespräch mit mir. Gemeinsam prüfen wir Ihr Vorhaben und entwickeln eine Finanzierungsstruktur, die zu Ihnen passt.
Thomas Wagner, Prokurist der Bogen & Partner – Finanzierungsspezialist für Ärzte und Akademiker
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Finanzierungs-, Steuer- oder Rechtsberatung.



Kommentare